HÜRTH. So viel junger
jecker Schwung hat selten das Bürgerhaus gefüllt. Hürth war am
Montag vor Rosenmontag erstmals Stätte der Karnevalssitzung der
Deutschen Sporthochschule, kurz: Spoho, in Köln, und die hob unter
dem Motto „Fliegen“ ab.
Auf die Tribüne schwebte die Zwölferrat-Bordbesatzung ein.
„Ober-Flugkapitän“ Johannes Horst, dessen Heimatstadt Hürth ist,
hatte seine Musiker, die „Kanzlerband“, als Sitzungskapelle gleich
mit eingeflogen. Moderator Linus, im hellblauen Anzug mit rotem
Explosionsstern und rückwärtiger Aufschrift „Peng“, gab den
Reiseleiter bei dem karnevalistischen Flug um den Erdball. Mit den
„Passagieren“ im Saal, die aus ganz Deutschland und dem Ausland
stammen, studierte Linus vorsichtshalber karnevalistische Etikette
ein, wie das richtige Zünden einer Rakete und Erheben von den
Plätzen, was zum Einmarsch der KG Hürther Funken Blau-Weiß klappen
sollte.
Den ersten begeistert aufgenommenen Programmbeitrag hatte die
Spoho selbst gemacht. Das Bewegungstheater „Shape“ ging pantomimisch
mit einigen Sportarten auf Weltreise: Da wurde Ski gefahren in den
Alpen, in Zeitlupe Ball gespielt, das Lasso geschwungen in den USA,
um nach Doping in Peking schließlich auf heimischem Boden bei
kölschem Gardetanz zu landen.
Ihren wohl lockersten Sessionsauftritt absolvierten die
Alt-Hürther, die samt Dreigestirn und Kinderprinz Fabio aufgezogen
waren. Einige der Sportstudenten im Saal sahen offenbar zum ersten
Mal eine Jungfrau, in deren Kostüm ein Mann steckt, und amüsierten
sich prächtig. Entzückt von dem singenden Kinderprinzen, jubelte das
junge Publikum ihm zu wie einem Popstar. Völlig aus dem Häuschen
geriet der Saal aber bei den Darbietungen der „Chicken
Chicks“-Showgruppe und des Dreigestirns, das sein Tänzchen zu „Echte
Fründe“ und „Kölle Alaaf“ unbedingt wiederholen musste.
Schwer hatte es danach die aus dem Fernsehen bekannte Komödiantin
Carolin Kebekus, sich mit Geschichten von der Schäl Sick Gehör zu
verschaffen. Nachdem der Zwölferrat im Publikum Schokoküsse verteilt
hatte, sang Linus, spontan umrahmt von zwei männlichen Engeln, „Eine
neue Liebe ist wie ein neues Leben“ und den „Kölschen
Stammbaum“.
Viel Gefühl gezeigt
bei den Bläck Fööss
Das Stimmungsvollste im Programm aber war der Auftritt der Bläck
Fööss und der „Karl-Beckers-Pänz“ vom Großen Griechenmarkt. Nachdem
die Fööss ihre Hits „Drenk doch ene met“ und „Aber bitte, bitte met
Jeföhl“ mit den „Pänz“ als Chor gespielt hatten, wechselten sie in
den Hintergrund und ließen Kinder die Gesangssoli übernehmen. „Sag
ens Blotwoosch“ und „Ene Besuch im Zoo“ gehörten zu den schönsten
Momenten des närrischen Höhenflugs der Sporthochschule in den
Karneval.